Rilana & Friends
Sommer, Sonne, sabotiert!
Kapitel 9: Ein Geständnis zum Mitnehmen
Verdammt,
in der Nacht hatte ich echt nicht gut geschlafen! Ich hatte nie
richtig die Augen geschlossen und gefühlt alle drei Minuten auf mein
Handy geschaut, ob das Display aufleuchtete und Nachrichten anzeigte.
Wenn ich es gar nicht aushielt, tippte ich sogar darauf, was ein
paarmal vorkam.
Jetzt war ich eindeutig wach. Mitten in der Nacht
konnte es nicht mehr sein, denn durch mein dünnes Rollo erreichten
die ersten Sonnenstrahlen mein Zimmer. Mich weiter im Bett
herumzuwälzen und so zu tun, als könnte ich noch einschlafen, war
sinnlos. Also riss ich die Schneeflocken-Decke von mir runter, griff
mir das Smartphone und berührte das Display mit meinem Zeigefinger.
Es war 05:17 Uhr. Damit der Wecker, den ich gestern Abend eingestellt
hatte, nicht in einer Stunde und 28 Minuten vibrierte, stellte ich
ihn schon mal vorzeitig aus. Schließlich war ich jetzt wach und
konnte nicht mehr unter die Decke kriechen. Stattdessen lag noch der
ganze Tag vor mir. Ich entschied, dass er damit begann, dass ich das
Rollo hochfuhr. Sofort wurden die Lichtstrahlen, die vom Fenster
hereinschienen, noch heller und fielen auf meinen Schreibtisch.
Im
Lichtfeld sah ich kleine Staubpartikel über dem Chaos auf meinem
Schreibtisch tanzen. Wenn er sich auf etwas angesammelt hatte, hasste
ich Staub, aber in der Luft war er manchmal einfach wunderschön.
🐴
Nach
dem gemeinsamen Frühstück mit Mom und Dad lief ich in meinen blauen
Turnschuhen raus. Zu meinem schwarzen Top und den blauen Flare-Jeans
waren die vielleicht nicht perfekt... Was konnte ich auch dafür,
dass alle meine anderen Anziehsachen in der Wäsche waren?! Immerhin
konnte ich das oben-schwarz-unten-blau-Outfit mit zwei französischen
Zöpfen aufpeppen.
Mein erstes Ziel war, Ayesha zu suchen. Ihre
gestrigen Reaktionen auf meine Aktionen mit Rob waren wirklich
merkwürdig gewesen. Es war Zeit, Klarheit zu schaffen. Ich musste
sie fragen, ob Rob und sie ein Paar waren. Ehrlich, das fände ich
beschissen. Es wäre nicht cool von denen.
Auf dem
Heuhaufen vorm Stall war Ayesha schon mal nicht, obwohl das sonst ihr
Lieblings-Spot für Selfies und Kurzvideos war. Auf dem großen Stein
vor dem Café konnte ich sie auch nicht finden, obwohl das mein Plan
B gewesen wäre. Wo versteckte sich diese überbezahlte Angeberin?!
Ich ging nicht davon aus, dass sie im Café war, und hatte auch keine
Lust, dort nach ihr zu suchen. Vielleicht half es mir eher weiter,
jemanden auf dem Hof zu fragen. Wer war denn um diese Uhrzeit schon
auf? Rob...? Wenn ich ihn schon nach Ayesha fragen konnte, dann
konnte ich auch fragen, was zwischen ihnen lief. Hoffentlich gab er
mir dieses Mal eine Antwort. Wenn nicht, hätte ich so langsam allen
Grund, angepisst zu sein.
Ich
ging in den Stall, wo er wahrscheinlich die Boxen der Pferde
reinigte. Na ja, er war zwar im Stall, aber Boxen ausmisten tat er
nicht gerade. Vielmehr erwischte ich ihn dabei, wie er Krieg gegen
eine andere Armee führte und das Zuhause unserer Pferde verstrahlte.
Er war schon so angespannt und versunken in das Videospiel, dass ich
ihn vielleicht doch lieber in Ruhe lassen wollte. Als ich mich
umdrehte und auf den Ausgang zusteuerte, hatte er mich offenbar schon
bemerkt und fragte: „Suchst du was?“ Ein leiser Knall kam von
seinem Handy, und er murmelte ärgerlich: „Mist, alle drei Leben
verbraucht. Mann ey. Egal.“
Ich ging ein paar Schritte näher an
ihn ran und kniff ihn in den Arm. Es entstand eine kleine elektrische
Zuckung, die ich gar nicht beabsichtigt hatte. Als ich mich gefasst
hatte und wieder zurückgewichen war, sagte ich mit eiserner Stimme:
„Willkommen zurück in der Realität.“
Sein unschuldiger Blick
und die Art, wie er sein Handy in die Bauchtasche steckte, jagten mir
einen Schauer über den Rücken. Ich atmete tief ein und zog mir das
Top über den Hosenbund. Zuerst fragte ich: „Weißt du, wo Ayesha
ist?“ Die andere Frage war kein sehr guter Einstieg in ein
Gespräch, und obwohl ich Ayesha jetzt nicht mehr brauchte, war es
trotzdem ganz gut zu wissen, wo sie war.
Robs Augen blitzten und
er grinste. „Denke mal, zu Hause. Sie hat sich halt heute
krankgemeldet.“ Als er mich kurz gemustert hatte, fügte er hinzu:
„Alles gut mit dir?“
Meine Gedanken spielten verrückt. Dass
Ayesha nicht anwesend war, bedeutete mehr Freiheit für Rob und mich.
Wir konnten weiter unsere Verbindung aufbauen. In meinem Bauch
bildete sich ein Knoten, denn Ayesha wusste sowieso, dass wir nicht
einfach zwei Kollegen waren, die nebeneinander herlebten... Kollegen
waren wir eh nicht. Sie war seine Kollegin. Und sie war auch meine
Kollegin. Wir funktionierten ganz gut als Team gegen zickige
Außenseiterinnen. Aber funktionierten wir auch noch, wenn ich
versuchte, ihr alles mit Rob zu verheimlichen? Schließlich war es
mehr als wahrscheinlich, dass Ayesha, die 17 Jahre alt war, und ihr
18-jähriger Kollege zusammen waren. Jedenfalls wahrscheinlicher, als
dass ihr 18-jähriger Kollege nicht mit ihr zusammen und in
seine 14-jährige Nicht-Kollegin verknallt war. Diese war
zufälligerweise ein hyperdetektivischer Freak und Bubbletea-Suchti,
der sich auf gefährliche Abenteuer auf der Autobahn einließ. Und
dass diese überreife Tomate übermäßig viel von dem
Achtzehnjährigen hielt, gefiel ihren Eltern bestimmt nicht. Das
hieß, dass Mom und Dad nicht von meinem Crush auf Rob erfahren
durften. Punkt.
Ich erwachte aus meiner Trance und biss mir auf
die Zunge. Aua. Ich schluckte. „Hast du was gesagt?“
„Geht?
Es? Dir? Gut???“, fragte Rob überdeutlich. Ich schüttelte den
Kopf, sagte aber Ja. Um die peinliche Situation zu beenden, haspelte
ich drauflos: „Ähm... Wahrscheinlich hat Ayesha sich
krankgemeldet, damit sie den ganzen Tag in der Shoppingmall abhängen
kann und ihren TikTok-Kanal füttern kann. Und ganz nebenbei wird sie
auch noch dafür bezahlt. Ist doch verdächtig, dass sie im Sommer
krank ist.“ Okay, das war jetzt nicht ganz das, was ich eigentlich
sagen wollte – und außerdem hatte ich meine unangenehme Frage
vergessen. Und natürlich wusste Rob, dass Ayesha eine
TikTok-Persönlichkeit war.
Er schaute mich etwas irritiert an und
schien noch nicht ganz überzeugt zu sein, obwohl er nickte. Dann
schnappte er sich die Mistgabel, die an der Wand lehnte, und sperrte
die Tür zu Moritz' leerer Box auf.
Außerhalb
vom Stall war die Luft sehr gut. Obwohl das Gespräch in der Stallung
irgendwie seltsam verlaufen war, hatte es das Genie in meinem Kopf
zustande gebracht, die schlechten und verwirrenden Gedanken vorerst
in meine hinteren Gehirnzellen zurückzudrängen. Geblieben war nur
noch ein Eindruck, der sich aus der Mischung aus einer gelben Mütze,
goldenen Sprenkeln in einer Iris und elektrischen Berührungen
zusammensetzte.
Meine Laune hob sich mit der steigenden Sonne und
erreichte ihren Höhepunkt, als ich auf dem Putzplatz Lia sah, die
Sternschnuppe abspritzte. Ich stellte mich neben das schwarze Pferd
und schlang meine Arme um seinen muskulösen Hals. Lia spritzte uns
weiter nass, was in der hochkletternden Temperatur sehr guttat. „Na,
du? Schon aufgestanden?“, begrüßte sie mich lächelnd und winkte
mit der freien Hand. Ich schaute ihr durch den Sprühstrahl ins
Gesicht, das auf einmal gar nicht so happy wirkte wie sonst. Ihr
Lächeln war mehr gequält als freudestrahlend. Ich war hier
freudestrahlend. Ich strahlte also vor Freude, obwohl meine Friends
nicht dabei waren. Früher wäre das nicht möglich gewesen, aber
jetzt waren sie ja meine Ex-Friends und Ayames Freundschaftsarmband
lag irgendwo im Staub unter meinem Bett. Es gab AyAy und Yari nicht
mehr. Sie waren nur noch Ayame und Mayari, die Arschlöcher. Und sie
würden nie wiederkommen, weil sie keinen Grund hatten, mich auf
meinem beknackten Reiterhof zu besuchen. Tasuke war auch von der
Liste der freiwilligen Mitarbeiter und Ermittler zu streichen.
Bevor
die schlechte Laune wieder aus der hinteren Ecke meines Gehirns
herauskriechen konnte, schaute ich schnell wieder zur gequält
lächelnden Lia. Sie drehte das Wasser ab und fragte mich, ob ich
Moritz putzen wollte. Schließlich war Rob im Stall und die Pferde
deshalb auf der Koppel. Sie stockte, als sie ihre Hand in die Tasche
ihrer Jeansjacke gleiten ließ, und zog diese ruckartig wieder raus.
Dabei blitzte etwas Silbernes aus ihrer Tasche auf. War das der
silberne Gegenstand, den sie eingesteckt hatte, als ich sie wegen des
Angriffs im Café verhört hatte?! Ich schaute mich um und stellte
fest, dass ich ihre Frage noch nicht beantwortet hatte. Ich nickte
und ging zur Koppel, wo ich Moritz holte und an einem Strick zum
Putzplatz führte. Grübelnd begann ich mit dem Putzen.
Als
ich um 06:53 Uhr ins Haus ging, drehte ich mich noch mal um und
winkte Lia hinterher. Sie hatte mir schon den Rücken zugewandt und
lief auf Mom zu, die hinterm Stall hervorkam. Zusammen schauten sie
einem LKW zu, der gerade auf unseren Parkplatz fuhr. Ein kräftiger
Mann stieg aus und sie kamen zu ihm, um ihm die Hand zu schütteln.
Dann lud der LKW-Fahrer mehrere sehr große Pakete aus. Zu dritt
rissen sie sie auf. Lia, Mom und der Mann brachten den Inhalt zur
Koppel, wo die Pferde grasten.
Mein Herz machte einen kleinen
Sprung, als ich erkannte, was sie aus dem LKW geschleppt hatten: die
Sicherheitszäune!
Mit neuer Lebensfreude aufgeladen, sprang ich
die Treppenstufen zu meinem Zimmer hoch. Ein kribbelndes Glücksgefühl
durchflutete meinen Körper. Endlich wurde angepackt. Endlich konnten
die Boxen vergrößert werden. Endlich konnten die Pferde abends auf
der Koppel bleiben.
🐴
Ich
war mit dem Aufräumen meines Zimmers beschäftigt, als es an der Tür
klopfte. Ich musste nur noch die Wände streichen und meine Möbel
umsortieren. Den Kampf gegen die Zettelwirtschaft meines
Schreibtischs hatte ich gewonnen. Treuen Beistand hatten
mir dabei die kameradschaftliche Mülltonne und das revolutionäre
Kehrblech geleistet. Außerdem hatte ich unnötige Kisten entsorgt
und meine Schränke sortiert. Bis auf den Bereich unter meinem Bett
hatte ich alles mit dem Staubsauger abgesaugt.
Während ich
zufrieden seufzte und mir ein Kaugummi mit Melonengeschmack in den
Mund steckte, öffnete ich meine vollgestickerte Zimmertür. Lynn kam
rein. „Hallo“, sagte sie schnaufend und wirkte für einen kurzen
Moment müde. „Es wurde wieder sabotiert. Schaust du dir den
Schaden an? Die Ermittlungen müssen vorankommen!“ Ihr Blick
war fast vorwurfsvoll.
Ich kratzte mich am Kopf. „Was ist denn
passiert?“, wollte ich wissen. Lynn ließ den Kopf hängen und
schüttelte ihn kraftlos. „Komm, das zeig ich dir jetzt. Rilana,
ich weiß nicht, was los ist. Jette und Timo sind gerade erst
aufgestanden und nicht in der Lage, mit mir darüber zu reden. Die
Playlist spielt auf einmal katastrophale LoFi-Walgesänge ab, die
komplette Vitrine wurde geplündert und die Kundentoilette... du
kannst es dir nicht vorstellen.“
Ich packte sie an der Hand und
wir rannten sofort zum Tatort.
Lynn
riss die Tür auf und warf Jette sofort einen genervten Blick zu. Es
war entsetzlich. Lynns Tochter hing am Handy ab. Ich schaute
unauffällig auf ihr Display. Sie CHATTETE MIT MAYARI!!! Anstatt die
vielen Schäden zu beheben und ihrer überforderten Mutter zu helfen,
tat sie das sinnloseste, was man in dieser Situation machen konnte.
Außerdem provozierte es mich, weil Mayari mich jetzt allgemein
provozierte.
Timo hielt zwei Zuckergläser hoch, die mit
„Vanillezucker“ und „Salz“ beschriftet waren. „Aus Flat
White wird heute wohl nichts mehr“, sagte er zu Lynn, „alles ist
total durcheinandergeraten. Die Saboteurin hat alle Zutaten
vertauscht und auf den Kopf gestellt. Wir können gar nichts machen.
Unsere Tiefkühlvorräte sind einfach verschwunden!“
Jette
schaute von ihrem Smartphone auf. „Ein Kunde hat sich beschwert,
dass sein Espresso komisch schmeckt, und dann haben wir die
vertauschten Zuckergläser bemerkt“, berichtete sie und sah zu Timo
rüber. Er fügte hinzu: „Als ich die Spülmaschine ausräumen
wollte, hat sie erst mal geklemmt und dann ist Milch aus den Ritzen
geflossen! Ich hab mir erst mal schön die Hose versaut und dann auch
noch die Finger eingeklemmt, als ich sie dann doch aufgekriegt hab.
Alle Becher sind nacheinander auseinandergebröselt! Ich meine, das
ist der Wahnsinn!“ Plötzlich wurde ja alles auf einmal sabotiert!
Es hatte jetzt offensichtlich nichts mehr mit der Tollpatschigkeit
von Jettes Bruder zu tun.
Mein Blick fiel auf die ausgeplünderte
Vitrine. Lynn legte mir eine Hand auf die Schulter und zeigte mit der
anderen auf den Boden. Selbstgebackene Muffins, Kuchen und Cookies
lagen über die Fliesen verteilt. Ein leckerer Brownie war komplett
zertreten gestorben und zu keinem Prozent mehr essbar. In einer Ecke
lag ein in fünf Stücke gebrochener Cranberry-Zitronen-Cookie. Ich
enthauptete ein Blümchen, das in seiner Vase auf dem Tresen stand.
Das Köpfchen warf ich auf den Brownie und sagte: „Mein Beileid.“
Mein Herz krampfte sich noch mehr zusammen, als ich den ausgelaufenen
Erdbeersmoothie entdeckte, der wehrlos neben dem Cookie lag.
Lynn
ging mit mir zum Kunden-WC. Die Tür stand sperrangelweit offen. Der
Blick auf die komplett kaputte, mit Schmutzwasser überlaufene
Kloschüssel und die daneben liegende Klobrille war frei. Ich schaute
zu Lynn, die zusammenzuckte, obwohl sie den Anblick heute Morgen
schon einmal ertragen hatte. „Die Rohre sind komplett abmontiert
worden“, brummte sie mit Grabesstimme, „und meine Schwester Lia
hat sich geweigert, neue dranzumontieren und uns zu helfen. Dabei ist
sie doch Spezialistin auf diesem Gebiet! Weißt du, wir waren schon
immer ziemlich zerstritten, aber so weit ist es noch nie gekommen.
Wir haben dann noch heftig gestritten und diskutiert. Und dann hat
sie gesagt, dass ich selber Schuld mit Herrn Waltz war und sie ihn
auch nicht leiden kann, aber dass er in einer Sache Recht hat:
nämlich, dass Jette und Timo nicht alleine das Café leiten sollen.“
Sie verschränkte die Arme, ohne mich anzuschauen. „Ich hab
wirklich schon genug zu tun“, murmelte sie leise und ich konnte aus
ihrer Stimme Wut heraushören. Ich musste daran denken, dass Lia
einmal zu abmontierten Rohren und Werkzeugen gegangen war, worauf ich
damals nicht so geachtet hatte. Und an den silbernen Gegenstand
musste ich auch denken. Ich fragte Lynn, ob sie wusste, was Lia immer
bei sich trug. Die Besitzerin des Cafés wusste es natürlich nicht
und wurde still.
Ich
hörte, wie die Tür zum Café aufgestoßen wurde, und machte die zum
WC schnell hinter mir zu. Die Klo-Katastrophe musste echt nicht jeder
dahergelaufene Kunde sehen, da reichten die ganzen Sachen auf dem
Boden schon völlig aus.
Timo winkte hinter dem Tresen. „Hi,
Tasuke! Wie du siehst, ist bei uns das totale Chaos ausgebrochen! Die
Saboteurin hat jetzt alles auf einmal sabotiert!“, begrüßte er
Ayames Bruder. Uff. Kein Kunde. Keine Ayame. Nur ein Detektiv.
Tasuke
blieb kurz unschlüssig vor der Sauerei auf dem Boden stehen. Dann
schaute er sich nach etwas um.
Timo machte eine abwinkende
Handbewegung. „Hier wurde halt sabotiert. Können wir was für dich
tun?“
Tasuke überlegte. „Vielleicht... die Musik ändern?
Diese seltsamen Töne sind ziemlich irritierend. Oder glaubt ihr,
damit trefft ihr den Geschmack eurer Kunden?“, frotzelte er.
Jette
verdrehte die Augen. „Falls du's noch nicht bemerkt hast: Diese
Musik ist auch Sabotage! Denkst du, wir würden Walgesänge anmachen?
Und wo die Musikbox versteckt ist, wissen wir nicht. Also: nein. Und
eigentlich kannst du im Moment auch gar nix bestellen. Alles, was wir
haben, sind Matschekuchen auf dem Boden. Der Kühlschrank ist leer.
Das einzige, was du jetzt machen kannst, ist, zu spenden... Ansonsten
zieh ab!“, meckerte sie ihn an.
Ich sprang über ein paar
versaute Zitronenmuffins und zeigte dann auf Tasuke. „Kommt Ayame
auch?“, schoss es aus mir, bevor ich drüber nachdenken konnte. Ich
hängte schnell noch dran: „Und, äh, warum bist du
hergekommen?“
„Ayame hat mich geschickt. Sie kommt nach dem
Mittagessen“, antwortete er, „Ich bin nur hier, um nach dir zu
schauen und dir das zu sagen. Ich soll ihr schreiben, wie du drauf
bist.“
Mein Gesichtsausdruck wurde kühl. „Du bist also ihr
Spion. Und nach dem Essen will sie mich verprügeln? Du kannst ihr
melden, dass ich ihr Freundschaftsarmband unter mein Bett in den
Staub geschmissen hab.“
Tasuke schluckte. „Ich weiß, das ist
sehr feige von ihr, dass sie nicht selbst nach dir schaut. Aber...
ich glaub nicht, dass sie dich verprügeln will.“ Während er
langsam wieder zur Tür ging, holte er sein Handy hervor und tippte
etwas.
Timo, der inzwischen das Chaos auf dem Boden wegfegte, ließ
das Kehrblech stehen und holte ihn zurück. „Hey! Suk! Ich bezahl
dich. Und du hilfst uns.“ Als er sah, dass Tasukes Video-Chat mit
Ayame ihn aufzeichnete, sagte er: „Er hilft uns, okay?“ Die
winzige Ayame auf dem Bildschirm nickte zehnmal hintereinander und
winkte. Dabei sah sie nicht, dass ich mit aufs Display schauen
konnte.
„Okay, ich helfe euch“, sagte Tasuke zu Timo, und
leise zu Ayame: „Du kannst dich auf einen R-Punkt-Eiszapfen freuen.
Dich erwarten Nordpol-Temperaturen in ihrer Nähe und vielleicht ein
kleines Gewitter mit Schnee.“ Dann beendete er den Video-Chat,
steckte sein Handy zurück und schaute sich nach der versteckten
Musikbox um. Timo ging zur Kasse und machte die Schublade auf. Er
holte einen Zehner raus und gab ihn Tasuke.
Ich trat aus dem Café.
Jette winkte mir noch zu und ging dann zur Spülmaschine hinter den
Tresen.
Draußen
an der Koppel begegneten mir Mom und Lia. Ich sah, dass sie
Fortschritte mit dem Sicherheitszaun gemacht hatten, aber fertig waren
sie noch lange nicht. Mom drückte mir ihre Geldbörse in die Hand
und erklärte, dass sie mit Lia den Zaun befestigen musste. Deswegen
sollte ich mit dem Fahrrad zum Supermarkt fahren und für das
Mittagessen einkaufen.
Ich holte schnell meine Tasche und mein
hellblaues Fahrrad. Nachdem ich einen Blick auf die Einkaufsliste von
Mom geworfen hatte, radelte ich los. Zum Lidl in der Nähe musste man
so fahren wie zur Schule, nur am Ende musste man rechts abbiegen.
Tatsächlich fuhr ich immer mit dem Rad zur Schule.
Als ich
angekommen war, stieg ich vom Fahrradsattel und befestigte mein
Schloss an einem öffentlichen Fahrradständer und am Hinterrad. Ich
hängte noch meinen Helm dran und betrat dann die Filiale.
Als
Erstes nahm ich mir einen Einkaufswagen und steuerte auf das
Tiefkühl-Regal mit den Pizzen zu. Auf der Einkaufsliste stand Pizza
ganz oben. Ich machte es immer so, dass ich die Waren nach der
Reihenfolge kaufte, wie es auf der Liste stand. Das war am
unkompliziertesten.
Von der Tiefkühlpizza, die wir immer kauften,
waren nur noch zwei da. Ich schob die durchsichtige Schiebetür auf.
Dann nahm ich beide Pizzen und legte sie in den Einkaufswagen.
Außer
dem, was auf der Einkaufsliste stand, hatte ich noch geheime
Süßigkeiten für mich, Cookies und Himbeeren gekauft. Jetzt schob
ich gerade meinen Einkaufswagen zurück und ging dann mit einer
vollen Tasche zu meinem Fahrrad zurück. Ich schloss es auf und fuhr
nach Hause. Dort verstaute ich alles außer den Pizzen und den
Süßigkeiten in Kühlschrank oder Küchenschrank.
Ich machte den
Ofen an und fing an, die Soßen vorzubereiten, die Mom liebte. Als
der Ofen bereit war, schob ich die Pizzen rein und stellte die
Eieruhr auf 12 Minuten.
🐴
Dad,
der mit uns zusammen gegessen hatte, übernahm den Abwasch. Die Pizza
war echt lecker gewesen. Jetzt war ich satt und wollte mich nicht
länger im Gebäude aufhalten. Deshalb ging ich nach draußen auf den
Hof. Gleich musste Ayame ankommen, und am besten bereitete ich mich
geistig schon mal darauf vor. Es musste ein kühler Empfang werden;
ein cooler, kühler Empfang.
Plötzlich fiel mir ein, dass ich mir
gestern vorgenommen hatte, Jette endgültig zu fragen, ob sie die
Saboteurin war. So langsam kam sie mir echt verdächtig vor.
Schließlich war sie immer im Café und bekam alles mit, ging ständig
aufs Klo - also zum Tatort – und benahm sich in Tasukes Gegenwart
grummelig und aggro. Dann kam noch dazu, dass sie so gut wie nie
etwas fürs Café tat und stattdessen am Handy rumhing.
Wahrscheinlich hatte sie auch noch Stress und Druck in der Familie,
weil es zwischen Lynn und ihrem Mann nicht so rund lief und alles
unerträglich wurde. Deshalb konnte es gut sein, dass sie
Aufmerksamkeit von ihren Eltern haben wollte – und die bekam sie,
wenn sie das Café sabotierte.
Die Sabotageakte heute wiesen auch
darauf hin, dass es der Saboteurin nicht um Geld ging. Die Taten
wirkten verzweifelt. Die Täterin schien Zeitdruck zu haben... oder
Angst, entlarvt zu werden! Sonst hätte sie nicht alles auf einmal
sabotiert. Bisher war sie immer diskret und systematisch
vorgegangen.
Ich musste es jetzt einfach durchsetzen. Je länger
die Täterin (die wahrscheinlich Jette war) unentdeckt blieb, desto
mehr Schaden konnte sie anrichten. Also stieß ich die Tür zum Café
mit warnend-detektivischem Gesichtsausdruck auf und trat ein.
Timo
und Tasuke hatten die Schweinerei auf dem Boden bereits beseitigt und
LoFi-Walgesänge waren auch nicht mehr zu hören. Stattdessen lief
jetzt ein poppiger Song von Taylor Swift. Jette stand harmlos hinter
dem Tresen und tippte auf ihrem Handy. Ich stellte mich ihr gegenüber
und bestellte: „Hi, Jette. Ich hätte gern ein Geständnis.“
„Kommt
sofort“, trällerte Jette geistesabwesend und bückte sich, um in
die Vitrine zu greifen. Dann stockte sie. „Äh, was? Ein Ge... Ein
Geständnis? Kein Bubbletea? Ach ja, wir haben auch gar keinen, den
wir dir geben könnten. Was für ein Geständnis meinst du denn?“
Ich
packte sie an den Schultern und sah ihr eindringlich in die Augen.
Ich flüsterte: „Keine Sorge, ich verdächtige dich nicht, aber du
bist verdächtig. Äh, ja, okay, egal. Aber jedenfalls würde ich
gern wissen, ob du das Café sabotierst. Das ist jetzt auch das
letzte Mal, dass ich dich frage.“
Jette wirkte nicht sehr
beruhigt. „Sehr gut! Und Timo kann bezeugen, dass ich es
nicht bin. Sehe ich etwa so aus? Wir sagen doch, dass Lia es ist! Sie
hat Tasuke überfallen! Ich find's gut, dass du so detektivisch bist,
aber manchmal geht dieses Misstrauen bisschen zu weit. Würde ich mal
sagen.“ Sie schaute mich an wie ein Welpe, der im Regen
alleingelassen wurde. „Rilana“, sagte sie traurig, „Mama hat
gerade schon so viel zu tun, und ich weiß nicht, wie ich ihr helfen
kann, ohne sie aufzuregen. Aber ihr Café sabotieren, das würde ich
auch nicht machen, wenn alles super laufen würde. Timo hätt's auch
gar nicht erst zugelassen. Hier irgendwas zu sabotieren, ohne dass
er's merkt, ist gar nicht möglich.“ Es gab keinen Zweifel mehr,
dass Jette unschuldig war. Timo war auch ausgeschlossen, denn dann hätte
sie es ja gemerkt. Vielmehr war Lia jetzt meine Hauptverdächtige.
Ayesha hatte schon mehrfach beteuert, dass sie unschuldig war. Alle
aus meiner Familie kamen nicht infrage. Lynn konnte es nicht sein,
weil das Café ihr gehörte und die Sabotage sie stresste. Jette,
Timo und Herr Waltz waren auch aus dem Spiel. Meine Freundinnen
sabotierten natürlich auch nicht. Rob traute ich gerade nicht zu,
dass er der Saboteur war. Tasuke war Opfer der Sabotage und
ermittelte für uns. Mich selber hatte ich nie verdächtigt. Also
konnte es praktisch nur noch Lia oder eine externe Person sein.
Ich
wurde aus meinen Gedanken gerissen, als die frische Sommerluft durch
die Tür reinströmte.
„Timo!“, rief eine verdächtig bekannte
Stimme und die Person rannte stürmisch auf Jettes Bruder zu. Ich
zuckte zusammen. Als ich mit meinen Gedanken abgeschweift war, hatte
ich Ayame vergessen. Jetzt war ich komplett unvorbereitet. Zum Glück
hatte ich ein wenig Zeit, mich zu fassen, während meine Ex-Freundin
Timo umarmte.
Ich starrte auf Ayames T-Shirt. Ayame hatte es
getragen, als wir uns in der Schule anfreundeten. Es war weiß und
hatte einen roten Schriftzug. Damals saß ich beim Mittagessen in der
Schulmensa an ihrem Nachbartisch und es gab Nudeln mit Tomatensoße.
Mayari saß neben mir und ist plötzlich aufgesprungen, weil sie
Tasuke am Buffet gesehen hatte. Dabei stieß sie mich versehentlich
mit dem Ellbogen an und mir fiel der Löffel aus der Hand. Er
klatschte in die Tomatensoße, die überall hinspritzte. Sogar Ayame
am Nachbartisch wurde vollgespritzt. Die anderen waren alle total
sauer und liefen zum Klo oder motzten mich an, aber Ayame, die eine
Klasse höher war, blieb sitzen. Die Situation an sich war
megapeinlich, Ayame rettete sie aber. Sie sagte mir, dass ihr T-Shirt
so jetzt viel besser aussah und die Tomatenflecken zum roten
Schriftzug passten. Die anderen versuchten alle, die Soße
auszuwaschen und trugen die Klamotten danach nie wieder. Ayame ließ
das T-Shirt so und hat es oft getragen – und heute trug sie es
wieder, obwohl sie auf einen grünen Stil umgestellt hatte. Damals,
als ich sie vollspritzte, hatten wir uns angefreundet; vorher kannte
ich sie nämlich nur vom Sehen. Mit Mayari, die in meiner Klasse war,
hatte ich mich kurz davor schon angefreundet. Ich wurde auf sie
aufmerksam, als sie sich vorne am Haaransatz zwei Strähnchen blond
färbte. Ayame war auch begeistert davon und wir wurden zu einer
klassenübergreifenden Dreiergruppe, die sich in den Pausen und nach
Schulschluss traf. Meistens half uns Ayame erst mal bei den
Hausaufgaben und dann machten wir coole Sachen und hingen ab.
Ich
hob meinen Blick von Ayames T-Shirt und sah ihr direkt in die Augen.
„Hi“, presste ich hervor.
Ayame lächelte traurig. „Lana“,
sagte sie leise. Sie blickte kurz zur Tür und dann wieder zu mir.
Ich verstand das Zeichen und nickte. Wir verließen das Café, um die
Lage zu klären, ohne von allen gehört zu werden.
„Du willst
die Situation mit mir besprechen, oder?“, fragte ich und strich mir
das Top glatt.
Ayame schaute auf ihre Füße, die in schwarzen
Retro-Sneakern steckten. „Die Situation von gestern. Die hat sich
nämlich verändert.“ Als sie eine kleine Pause machte, um zu
überlegen, wanderte ihr Blick wieder hoch. „Gestern hab ich voll
überreagiert. Sorry.“
Ich guckte weg und bewegte einen
Mundwinkel ungeschickt nach oben. Kühl und lässig zu wirken, war
echt leichter gesagt als getan. Gerade war ich einfach angespannt und
wusste nicht, was ich machen sollte. Unsicher verlagerte ich mein
Gewicht von einem Fuß auf den anderen. Ich erwartete, dass Ayame
weiterredete. Nach einer kurzen Pause tat sie das auch.
„Irgendwie
war ich gestern total fertig von der Horrortour mit Vicky und Valerie
und hab meinen Ärger dann aber an euch rausgelassen. Aber du warst
eigentlich gut drauf und wolltest mit uns eine coole Zeit haben. Nur
dass ich trotzdem genervt war und einfach unfair zu dir war. Ich hab
eigentlich schon gewusst, dass du Recht damit hattest, dass wir nicht
die Saboteurinnen sind – ist ja auch klar. Aber ich hab's da
einfach nicht ausgehalten, dass du alles besser wusstest. Als du dann
Timo verdächtigt hast, hab ich das einfach als Grund genommen,
beleidigt zu sein. Das war richtig blöd von mir“, gab sie zu.
Ayame rückte ihre Brille zurecht.
Ab diesem Moment konnte ich ihr
nicht mehr böse sein. Ich grinste. „Dann sind wir jetzt wieder
BFF?“
AyAy nickte und zeigte auf die drei Freundschaftsarmbänder
an ihrem Handgelenk. „Best Friends Forever und keine beschissenen
Arschlöcher. Echt, ich bin nicht sauer auf dich, weil du das in den
Chat geschrieben hast.“ Sie schaute aufmunternd in Richtung Café.
„Jetzt ermitteln wir wieder gemeinsam und finden den Täter.“
🐴
Im
Haus gingen wir auf den Balkon und richteten es uns dort gemütlich
ein, mit Himbeeren und Süßigkeiten. Ich setzte mich in den Sitzkorb
und Ayame holte sich einen Campingstuhl dazu.
Ich klärte sie über
meinen aktuellen Verdacht auf Lia auf, während ich die
Himbeerpackung halbierte. „Dass sie mich vom Café fernhalten will,
ist mir inzwischen klar. Und dahinter steckt nicht nur, dass sie
Jette und Timo nicht mag. Ich glaube, es steht fest, dass sie die
Saboteurin ist“, kombinierte ich, „Es kann eben auch nur
Lia oder Rob sein. Jette habe ich heute gefragt. Sie ist es eindeutig
nicht. Und ich glaube inzwischen nicht mehr, dass Ayesha mich immer
anlügt. Heute hat sie sich krankgemeldet.“
Ayame kaute
nachdenklich auf einem Lachgummi. „Konntest du irgendwas Neues zum
silbernen Gegenstand rausfinden, den Lia vorgestern nach dem Überfall
dabei hatte?“, fragte sie. Sie hielt mir die Packung hin und ich
schob mir auch ein Lachgummi in den Mund. Als ich es zerkaut und
runtergeschluckt hatte, sagte ich: „Sie hat ihn jeden Tag in der
Tasche. Heute ist sie zusammengezuckt, als sie ihn berührt hat.
Irgendwie denke ich, dass es eine Gabel ist.“
„Würde passen“,
meinte Ayame, „Jette und Timo sagen auch, dass Lia Tasuke
angegriffen hat. Und der Angriff passierte ja mit einer Gabel.
Außerdem hat die Saboteurin am Anfang Gabeln verbogen. Die Kratzer
waren übrigens nicht sehr tief. Tasuke ist wieder fit.“
Ich
schaukelte in meinem Sitzkorb hin und her. Ich fragte AyAy, ob sie
Tasuke von unserem Streit erzählt hatte oder ob das Mayari gewesen
war.
„Beides“, antwortete meine BFF, „also Mayari hat's ihm
schon direkt nach dem Streit geschrieben und ich hab es ihm gestern
Abend erzählt, als ich dazu bereit war.“ Ayame beugte sich zu mir
vor und griff drei Himbeeren aus der halb leeren Packung.
Ich
schmunzelte. „Du hast dich also dagegen entschieden, eine Mobberin
zu sein?“
Ayame nickte ernst. „Mobbing ist eigentlich was
anderes“, erklärte sie, „Da macht eine Gruppe einen Schwächeren
runter, um sich cool und mächtig zu fühlen. Oft ist das richtig
traumatisierend. Gestern hab ich ein paar Videos über Mobbing
geguckt und rausgefunden, dass ich Tasuke nicht mobbe. Ich ärgere
ihn eigentlich nur und bin fies. Aber das will ich nicht mehr machen.
Zu echtem Mobbing soll es nicht kommen.“
Ich gab ihr ein
Zeichen, dass sie kurz warten sollte, und ging in mein Zimmer, um das
Freundschaftsarmband aus dem Staub zu fischen. Das machte ich mir ums
Handgelenk und ging wieder auf den Balkon. Ich klärte Ayame darüber
auf, was ihr Geschenk durchgemacht hatte. Wir kamen auf die Idee, es
Mayari zu schenken, damit sie auch eins hatte. Allerdings wusste
keine von uns beiden, ob sie jemals wieder zu uns auf den Reiterhof
kommen würde. Nach tausend wütenden Spam-Nachrichten hatte sie
nichts mehr in den Gruppenchat geschrieben.
Ayame holte ihr Handy
aus ihrer Asics-Sporttasche, die sie heute mitgenommen hatte. Als sie
einen Blick darauf geworfen hatte, sagte sie: „Mir hat sie noch
geschrieben, dass ihre neue BFF jetzt Jette ist. In dem Chat bist du
nicht drin.“ Sie rückte ihre Brille zurecht und seufzte.
Ich
zeigte Ayame mein aufgeräumtes Zimmer und lud sie ein, mit mir
zusammen die Wand zu streichen. Dafür stellten wir alle Möbel in
die Mitte des Zimmers und holten uns aus dem neuen Gästezimmer die
Farbtöpfe. Die bunte Wand dort sah richtig krass aus; deshalb
wollten wir die in meinem Zimmer auch mit der Hochsprung-Technik
streichen.
Als Hauptfarben wählten wir Mintgrün, Hellblau und
Flieder aus. Diese Pastellfarben spiegelten unsere Freundschaft: Mint
stand für Ayame, Blau für mich und Flieder für Mayari. Und falls
sie nie wieder unsere Freundin sein würde, wäre es halt immer noch
eine coole Farbkombi. Natürlich stand sie eigentlich eher auf
knalliges Pink, aber das war ja keine Pastellfarbe und ich wollte
keine knalligen Wände haben. Das Streichen (oder Gestalten?) der
Wände war der erste Schritt zu einem coolen Zimmer. Ich hatte den
komischen, kindischen Mittelzustand satt. Jetzt wollte ich ein cooles
Zimmer haben. Bald würde ich auch noch den Bezug der Decke
austauschen, der dann ja nicht mehr reinpasste. Und die Tür wurde
weiter zugestickert.
🐴
Wir hatten zweieinhalb Wände fertig und brauchten frische Luft. Während wir rausgingen, konnte die Farbe trocknen. Bevor wir die Möbel ranstellen konnten, dauerte es wahrscheinlich sowieso noch drei Tage. Wir setzten uns auf den Heuhaufen vor dem Stall, wo sonst immer Rob und Ayesha abhingen. Ich wollte Ayame schon über Rob und mich aufklären, begann dann aber doch lieber eine Diskussion über Poster. Eigentlich hatte ich nie Geheimnisse (außer meinen Süßigkeiten, die Mom nicht sehen durfte), aber diese Sache war irgendwie anders. Also fragte ich Ayame, ob ein Poster von „Halt, das ist unser Wald“ aus „Die Schule der magischen Tiere“ cool genug für mein Zimmer wäre. Wir steigerten uns rein und schweiften vom Thema ab, bis Tasuke mit einer Schubkarre vorbeikam. Sofort brachen wir die Überlegungen ab und sprangen rein. Dann begann eine richtige Abenteuerfahrt mit Höchstgeschwindigkeit.
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